Freitag, 11. Oktober 2013

Rauf auf 3210 m und von dort aus wieder runter: Der Poon Hill Treck



Wenn Gespräche auf das Thema „anstrengende Kinder“ kommen und dann alle Anekdoten über ihre Charakterzüge in der Kindheit berichten, berichte ich meistens davon, dass ich ein unheimlich entspanntes Kind war. Solange ich genug zu essen, ein Blatt Papier und ein paar Stifte hatte, war ich glücklich und ein Engel in Person. AUßER, es ging darum zu laufen. Schon als Baby habe ich mich quasi nicht bewegt und schön aus meiner Rückenlage die Welt betrachtet. Als ich 4 war, wollte ich noch immer getragen, oder im Kinderwagen geschoben werden und im Familienurlaub habe ich regelmäßig einen riesen Bock geschoben, weil ich keine Lust mehr hatte weiter zu laufen.
Wie die Reaktion meiner Eltern ausfiel, als ich ihnen erzählte, dass ich 5 Tage Trecken gehe, könnt ihr euch sicherlich denken: Sie haben mich milde belächelt. Und mal ehrlich, auch ich habe mir selbst nicht ganz geglaubt, dass ich das wirklich genieße.
Aber, es kommt ja doch immer alles anders als man denkt! Und ich kann euch sagen, dieser Treck wird nicht mein letzter gewesen sein!
Gehen wir jedoch chronisch vor:

Das war unsere Route:

Wir sind von Nayapul über Hille und Gorepani zum Poon Hill und von dort aus über Tadapani und Ghandrug zurück:
also im Uhrzeigersinn


Tag 0 – Unsere Reise nach Pokhara
Wer zum Poon Hill will, muss von Kathmandu aus erst mal nach Pokhara fahren – mit dem Bus. Und das allein ist schon eine Reise für sich. Besonders, wenn gerade Dashain (das wichtigste Festival der Nepalesen,  in dessen 15 Tagen  alle Verwandten besucht werden) beginnt und man ganze 2 Stunden benötigt um überhaupt erstmal aus Kathmandu raus zu kommen.
Endlich „on the road“, waren wir heil froh, dass wir uns den Luxus geleistet und 50 Rupien (37 Cent) mehr für einen Touristenbus bezahlt hatten, denn in den vorbei fahrenden Lokalbussen stapelten sich die Menschen regelrecht übereinander, was bei 30°C und 8 Stunden Fahrt vielleicht doch etwas unangenehm ist. So jedoch konnten wir, jeder mit eigenem Sitzplatz, (meist) ausreichend Beinfreiheit und regelmäßigen Pipi-Pausen versorgt, die vorbei ziehende Landschaft vollends genießen, oder wahlweise ein Nickerchen halten.
Gegen 16:30 Uhr kamen wir dann in Pokhara an und nachdem wir das übliche Gedränge aus „Taxi ma'am?“ rufenden Taxifahrern überwunden hatten, machten wir uns auf in Richtung „Lakeside“ (Touristengegend direkt am See in Pokhara) um dort eine nicht allzu teure Unterkunft zu suchen. Überraschender Weise fanden wir auch relativ schnell eine kleine Anlage mit malerischem Garten und netten Zimmern.
Über den Preis mussten wir noch verhandeln, weshalb der Sohn erst ein Mal seinen Vater (den Besitzer des Hotels) anrief, der auch wenige Minuten später auftauchte, uns begrüßte und dann offenherzig lachend behauptete: „Oh, you look all the same!“ (Ihr seht ja alle gleich aus!).
Damit war alles geritzt: Wir nahmen die Zimmer und nutzen auch erst mal die heiße Dusche.
Anschließend gingen wir noch Bummeln und ließen den Abend dann beim Koreaner ausklingen.


Stau in Kathmandu









Tag 1 – Jetzt wird losgetreckt!
Oder auch nicht… Denn erstmal brauchten wir noch eine Treckingerlaubnis. Und um die zu bekommen benötigt man Zeit und Geld. Genauer gesagt einen  ganzen Vormittag und um die 4000 Rupien (30 Euro).
Endlich aus der Behörde raus mussten wir dann auch noch anderthalb Stunden mit dem Taxi zu unserem Startpunkt fahren.
Aber dann ging es endlich los! Hoch motiviert überwanden wir reißende Flüsse, aufgegrabene Wege und die Hitze des (Nach)mittags, bis wir um 17 Uhr, völlig erschöpft, Hille, unseren Zielort für diesen Tag, erreichten.
Hier hatten wir ebenfalls Glück mit unserer Unterkunft: Günstige Zimmer, tolle Aussicht, nette Gastgeberin und leckeres Dhal Bhat (Standartessen für Nepalesen und treckende Europärerinnen).


Erste Hindernisse 







Menschen






Aussichten




 
  

Tag 2 – Up, Up, Up (hinauf, hinauf, hinauf)
Berge sind für mich als Berlinerin, deren Horizont über den Prenzlberg (und diverse Skiurlaubsberge) ja nicht unbedingt hinausreicht, ja schon eine Herausforderung. Wenn es sich dann jedoch auch noch um Stufen besetzte Anstiege und 500 Höhenmeter innerhalb von 3 Stunden handelt, sinkt mir schon bei der Vorstellung der Mut.
Aber es führte kein Weg dran vorbei.

"Und wir machen eine lange Mittagspause. Danach können wir voller Energie weiter wandern" - hieß es
"Außerdem kommen danach ja auch fast keine Treppen mehr" - hieß es.
"Und großartig bergauf geht es dann ebenfalls nicht mehr" - hieß es.

Wir machten eine lange Mittagspause, nachdem wir bei den 3 Stunden Stufen steigen und 500 zurückgelegten Höhenmetern fast gestorben sind.
Es kamen auch weniger Treppen – aber „fast keine“ war dann doch SEHR positiv ausgedrückt.
Und dass es nicht mehr großartig bergauf geht, war eine glatte Lüge. Denn wir legten am Nachmittag noch mal 500 Höhenmeter zurück!

Aber, wir haben es überlebt und waren am Abend mächtig Stolz auf uns. Außerdem wurden ein weiteres Mal mit gutem Essen, heißer Dusche, netten Gastgebern und dieses Mal sogar einem warmen Ofen belohnt!

Stufen





Aussichten








Tag 3 – Poon Hill
Wer im Urlaub freiwillig um 4:00 Uhr aufsteht hat entweder eine Meise, oder möchte gerne den Sonnenaufgang vom Poon Hill aus betrachten. Auf uns trifft wohl beides zu, weshalb wir uns auch ohne Frühstück, im Dunkeln, 350 Höhenmeter hoch schleppten.
Und wieder ein Mal kann ich nur sagen: Es hat sich gelohnt! Seht selbst:


Aussichten 
 
 

 







Ach sind wir schön!












Am Nachmittag ging es dann nach einem weiteren Anstieg um ca. 300m tatsächlich nur noch bergab.
Hoch motiviert durch diese Tatsache preschten wir herab, genossen die Landschaft und wurden, wer hätte es gedacht, wieder ein Mal mit einer Atem beraubenden Unterkunft belohnt!



Reisterrassen


Ghorepani


Da gibt es doch tatsächlich Mülleimer mitten im Nirgendwo!


Aussicht aus der Unterkunft


Noch mehr Aussicht



Tag 4 – Jetzt hats sich ausgewandert!
Wer mitgezählt hat stellt nun fest, dass wir den 5-Tages-Treck am 4. Tag beendet haben. Ich muss ja zugeben, dass wir ein wenig geschummelt und bei der ersten Gelegenheit einen fahrbaren Untersatz unseren Füßen vorgezogen haben, aber das konnten wir wieder mal gut mit unseren, seit dem 2. Tag etablierten, „Treckingausreden für alles“ begründen:
Erstmal natürlich der Höhenunterschied, dann die Luftfeuchtigkeit und außerdem hatten wir keinen Guide und kein Träger (Die tatsächlich fast jeder hatte, der uns auf dem Treck begegnet ist!!).
Ich finde, da können wir uns ruhig mal auf die Schultern klopfen!



Sonnenaufgang




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