Wenn Gespräche auf das
Thema „anstrengende Kinder“ kommen und dann alle Anekdoten über ihre
Charakterzüge in der Kindheit berichten, berichte ich meistens davon, dass ich
ein unheimlich entspanntes Kind war. Solange ich genug zu essen, ein Blatt
Papier und ein paar Stifte hatte, war ich glücklich und ein Engel in Person.
AUßER, es ging darum zu laufen. Schon als Baby habe ich mich quasi nicht bewegt
und schön aus meiner Rückenlage die Welt betrachtet. Als ich 4 war, wollte ich
noch immer getragen, oder im Kinderwagen geschoben werden und im Familienurlaub
habe ich regelmäßig einen riesen Bock geschoben, weil ich keine Lust mehr hatte
weiter zu laufen.
Wie die Reaktion meiner
Eltern ausfiel, als ich ihnen erzählte, dass ich 5 Tage Trecken gehe, könnt ihr euch sicherlich denken: Sie haben mich milde belächelt. Und mal ehrlich, auch ich habe mir
selbst nicht ganz geglaubt, dass ich das wirklich genieße.
Aber, es kommt ja doch
immer alles anders als man denkt! Und ich kann euch sagen, dieser Treck wird
nicht mein letzter gewesen sein!
Gehen wir jedoch
chronisch vor:
Das war unsere Route:
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Wir sind von Nayapul über
Hille und Gorepani zum Poon Hill und von dort aus über Tadapani und Ghandrug zurück:
also im Uhrzeigersinn
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Tag
0 – Unsere Reise nach Pokhara
Wer zum Poon Hill will,
muss von Kathmandu aus erst mal nach Pokhara fahren – mit dem Bus. Und das
allein ist schon eine Reise für sich. Besonders, wenn gerade Dashain (das
wichtigste Festival der Nepalesen, in
dessen 15 Tagen alle Verwandten besucht
werden) beginnt und man ganze 2 Stunden benötigt um überhaupt erstmal aus Kathmandu raus
zu kommen.
Endlich „on the road“, waren
wir heil froh, dass wir uns den Luxus geleistet und 50 Rupien (37 Cent) mehr für
einen Touristenbus bezahlt hatten, denn in den vorbei fahrenden Lokalbussen
stapelten sich die Menschen regelrecht übereinander, was bei 30°C und 8 Stunden
Fahrt vielleicht doch etwas unangenehm ist. So jedoch konnten wir, jeder mit
eigenem Sitzplatz, (meist) ausreichend Beinfreiheit und regelmäßigen
Pipi-Pausen versorgt, die vorbei ziehende Landschaft vollends genießen, oder
wahlweise ein Nickerchen halten.
Gegen 16:30 Uhr kamen wir
dann in Pokhara an und nachdem wir das übliche Gedränge aus „Taxi ma'am?“
rufenden Taxifahrern überwunden hatten, machten wir uns auf in Richtung
„Lakeside“ (Touristengegend direkt am See in Pokhara) um dort eine nicht allzu
teure Unterkunft zu suchen. Überraschender Weise fanden wir auch relativ
schnell eine kleine Anlage mit malerischem Garten und netten Zimmern.
Über den Preis mussten wir
noch verhandeln, weshalb der Sohn erst ein Mal seinen Vater (den Besitzer des
Hotels) anrief, der auch wenige Minuten später auftauchte, uns begrüßte und dann
offenherzig lachend behauptete: „Oh, you look all the same!“ (Ihr seht ja alle
gleich aus!).
Damit war alles geritzt:
Wir nahmen die Zimmer und nutzen auch erst mal die heiße Dusche.
Anschließend gingen wir
noch Bummeln und ließen den Abend dann beim Koreaner ausklingen.
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Stau in Kathmandu
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Tag 1 – Jetzt wird
losgetreckt!
Oder auch nicht… Denn
erstmal brauchten wir noch eine Treckingerlaubnis. Und um die zu bekommen
benötigt man Zeit und Geld. Genauer gesagt einen ganzen Vormittag und um die 4000 Rupien (30
Euro).
Endlich aus der Behörde
raus mussten wir dann auch noch anderthalb Stunden mit dem Taxi zu unserem
Startpunkt fahren.
Aber dann ging es endlich
los! Hoch motiviert überwanden wir reißende Flüsse, aufgegrabene Wege und die
Hitze des (Nach)mittags, bis wir um 17 Uhr, völlig erschöpft, Hille, unseren
Zielort für diesen Tag, erreichten.
Hier hatten wir ebenfalls
Glück mit unserer Unterkunft: Günstige Zimmer, tolle Aussicht, nette
Gastgeberin und leckeres Dhal Bhat (Standartessen für Nepalesen und treckende
Europärerinnen).
Erste Hindernisse
Menschen
Aussichten
Tag 2 – Up, Up, Up
(hinauf, hinauf, hinauf)
Berge sind für mich als
Berlinerin, deren Horizont über den Prenzlberg (und diverse Skiurlaubsberge) ja
nicht unbedingt hinausreicht, ja schon eine Herausforderung. Wenn es sich dann
jedoch auch noch um Stufen besetzte Anstiege und 500 Höhenmeter innerhalb von 3
Stunden handelt, sinkt mir schon bei der Vorstellung der Mut.
Aber es führte kein Weg
dran vorbei.
"Und wir machen eine lange
Mittagspause. Danach können wir voller Energie weiter wandern" - hieß es
"Außerdem kommen danach ja
auch fast keine Treppen mehr" - hieß es.
"Und großartig bergauf geht
es dann ebenfalls nicht mehr" - hieß es.
Wir machten eine lange
Mittagspause, nachdem wir bei den 3 Stunden Stufen steigen und 500
zurückgelegten Höhenmetern fast gestorben sind.
Es kamen auch weniger
Treppen – aber „fast keine“ war dann doch SEHR positiv ausgedrückt.
Und dass es nicht mehr
großartig bergauf geht, war eine glatte Lüge. Denn wir legten am Nachmittag
noch mal 500 Höhenmeter zurück!
Aber, wir haben es
überlebt und waren am Abend mächtig Stolz auf uns. Außerdem wurden ein weiteres Mal
mit gutem Essen, heißer Dusche, netten Gastgebern und dieses Mal sogar einem
warmen Ofen belohnt!
Stufen
Aussichten
Tag 3 – Poon Hill
Wer im Urlaub freiwillig
um 4:00 Uhr aufsteht hat entweder eine Meise, oder möchte gerne den
Sonnenaufgang vom Poon Hill aus betrachten. Auf uns trifft wohl beides zu,
weshalb wir uns auch ohne Frühstück, im Dunkeln, 350 Höhenmeter hoch schleppten.
Am Nachmittag ging es dann
nach einem weiteren Anstieg um ca. 300m tatsächlich nur noch bergab.
Hoch motiviert durch diese
Tatsache preschten wir herab, genossen die Landschaft und wurden, wer hätte es
gedacht, wieder ein Mal mit einer Atem beraubenden Unterkunft belohnt!
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Reisterrassen
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Ghorepani
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Da gibt es doch tatsächlich Mülleimer mitten im Nirgendwo!
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Aussicht aus der Unterkunft
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Noch mehr Aussicht
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Tag 4 – Jetzt hats sich
ausgewandert!
Wer mitgezählt hat stellt
nun fest, dass wir den 5-Tages-Treck am 4. Tag beendet haben. Ich muss ja
zugeben, dass wir ein wenig geschummelt und bei der ersten Gelegenheit einen
fahrbaren Untersatz unseren Füßen vorgezogen haben, aber das konnten wir wieder
mal gut mit unseren, seit dem 2. Tag etablierten, „Treckingausreden für alles“
begründen:
Erstmal natürlich der Höhenunterschied,
dann die Luftfeuchtigkeit und außerdem hatten wir keinen Guide und kein Träger (Die
tatsächlich fast jeder hatte, der uns auf dem Treck begegnet ist!!).
Ich finde, da können wir
uns ruhig mal auf die Schultern klopfen!
Sonnenaufgang

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